Wer den Sinai noch von früheren Jahren her kennt, wird entsetzt darüber sein, wie die Küste heutzutage mit Hotelanlagen zugebunkert ist. Sharm el Sheikh und die Naama Bay, die vor ein paar Jahren noch getrennte Ortschaften waren, sind zusammengewachsen. Spielcasinos, Bars und Hotels sind aus dem Boden gestampft worden und bilden ein "Las Vegas des Südens". Das einstige Aussteigerparadies Dahab hat sich nun bis zum Blue Hole ausgeweitet. Wo früher nur schöne Einstiegsstellen waren, stehen heute Hotels und Strandbars.

Wer diesem ganzen Trubel entgehen möchte hat nur wenige Möglichkeiten. Eine dieser Möglichkeiten ist mit Ingo Riepl auf Entdeckungstour an den Gestaden des Roten Meeres zu gehen - man sollte jedoch etwas rustikal veranlagt sein.

Das Unternehmen

Ingo ist ein Urbayer, der bereits vor über 20 Jahren sein Herz an den Sinai verloren hat und seit dieser Zeit Touren an der Küste des Roten Meeres anbietet. Auch er hat mit dem Bauboom zu kämpfen, um immer noch einsame Lagerstellen und Taucheinstiege anfahren zu können. Einige der schönsten Tauchplätze sind nicht mehr betauchbar, da die einstigen Lagerplätze heute mit Hotels überbaut sind. Dennoch sind noch einige Tauchplätze übriggeblieben.

Veranstaltet werden diese Reisen, die im übrigen nur direkt über Ingo buchbar sind, lediglich für geschlossene Gruppen. Einzeltaucher werden nur dann mitgenommen, wenn noch Plätze frei sind und die Gruppen nichts dagegen einzuwenden haben.Der nötige Flug nach Ägypten ist individuell zu buchen.

Leider gibt Ingo noch in 2004 sein Unternehmen an einen Nachfolger weiter. Inwieweit dieser in die Fußstapfen Ingos tritt und noch die verschiedenen Tauchspots anfahren wird bleibt abzuwarten.

Die Unterkunft..

.. ist sehr einfach. An den jeweiligen Camps werden von den Reiseteilnehmern selbst die Zelte aufgebaut, die man entweder mitgebracht hat oder über Ingo erhalten kann. Wem dieser Aufwand zu groß ist, der sucht für seine Matraze einen Platz am Strand und genießt das Sternendach über sich. Ein Zelt ist nicht unbedingt nötig, schützt jedoch vor Wind, Sand und den lästigen Mücken, die bereits mit den ersten Sonnenstrahlen unterwegs sind.

Wer es gewohnt ist mehrmals am Tag unter die Dusche zu steigen, muß sich umstellen. Man ist in der Wüste unterwegs. Wasser ist knapp und kostbar, so daß für die Hygiene ausschließlich "das größte Badezimmer der Welt" (O-Ton eines Reiseteilnehmers) da ist. Pingelig darf man dabei nicht sein, da das Meer auch die - nicht vorhandenen - Toiletten ersetzt...

Die Verpflegung ...

... ist einfach aber bekömmlich, abwechslungsreich und sehr schmackhaft. Gekocht wird im Küchenbus (der auch für den Transport von Mensch und Material eingesetzt wird). Als Koch fungiert einer der einheimischen Reisebegleiter, der es immer wieder versteht aus den gerade erhältlichen Zutaten Leckeres zu zaubern, was manche Hotelküche im ägyptischen Raum in den Schatten stellt. Die Zutaten werden in den Ortschaften in der Nähe des jeweiligen Camps eingekauft und sind in der Regel frisch, was die Gefahr "Pharaos Rache" zu unterliegen minimiert, wenn auch nicht ganz ausschließt. Es werden drei Mahlzeiten am Tag angeboten - warmer Tee steht den ganzen Tag bereit.

Große Kühlboxen halten Lebensmittel und Getränke kühl und frisch.

Getränke sind ausreichend vorhanden und werden zu fairen Preisen angeboten.

Luftbild Sinai aus dem Informationsblatt der Nationalparkverwaltung

Die Camps ...

.. liegen abseits von Ortschaften meist in den Nationalparks, so daß man i.d.R. ungestört ist. Die Ausnahme hierzu bildet das Camp bei Dahab (siehe unten) das relativ Nahe bei der Ortschaft ist. Hier überfallen einen Beduinenkinder schon bei der Ankunft mit ihren kleinen Kunstgegenständen, die sie eintauschen oder verkaufen möchten.

Direkt bei den Camps liegen auch die Taucheinstiege zu Tauchplätzen, die der "normale Sinaitaucher" ansonsten selten geboten bekommt oder für die er lange Anfahrtszeiten in Kauf nehmen muß.

Der Transport zu den einzelnen Camps für Mensch und Material erfolgt mit einem Bus, einem Wohnmobil und zwei Jeeps.

Ein Notstromgenerator sorgt dafür, daß man Abends nicht im Dunkeln sitzen muß. Zudem steht ausreichend Strom (220V) zur Verfügung um seine Lampen oder UW-Blitze zu laden. Es empfiehlt sich jedoch Mehrfachsteckdosen mitzubringen.

Die Reisetour...

.. beginnt und endet am Flugplatz von Sharm el Sheikh (früher Ras Nasrani). Hier werden die Gruppen von Ingo mit seinem Bus/Wohnmobil abgeholt und ins erste Lager, i.d.Regel die Marsa Baraika, gebracht. Die weiteren Wunschziele zwischen Ras Mohammed und Nuweiba werden dann vor Ort mit Ingo abgesprochen. Die Tauchplätze/Camps unserer Tour 2002 sind weiter unten im einzelnen aufgeführt.

Da die Verlegung eines Camps sehr zeitaufwendig ist (Ab- und Aufbau, Fahrt), bleibt man mehrere Tage im selben Camp/am selben Tauchplatz. Um möglichst ohne Streß das Tauchen genießen zu können, empfiehlt es sich mindestens 2 Wochen für eine solche Tour einzuplanen.

Das Tauchen ...

Die Tauchbasis

.. ist der Hauptgrund, weshalb diese Touren so überaus lohnenswert sind.

Getaucht wird grundsätzlich von Land aus. Die Taucheinstiege liegen direkt vor oder in unmittelbarer Nähe des Camps, so daß große Anfahrtszeiten entfallen und man jederzeit und so oft man möchte, ins Wasser steigen kann, und das 24 Stunden am Tag, ohne auf Öffnungszeiten einer Tauchbasis angewiesen zu sein. Ein großer Vorteil für Fotografen und Filmer, da sie besonders interessante Motive mehrmals aufsuchen können.

Die Luftversorgung erfolgt mit 2 Kompressoren, die lediglich in der Nacht mal nicht rattern. Es stehen immer ausreichend 12-Liter-Aluflaschen zur Verfügung. Blei ist in ausreichendem Maße vorhanden. Die eigene Tauchausrüstung ist mitzubringen. Es besteht keine Leihmöglichkeit vor Ort. Es wird keine Tauchausbildung angeboten. Somit ist diese Art des Tauchens nur erfahrenen Tauchern vorbehalten.

Marsa Bareika

Lager in der Marsa Bareika

Ca. 1 Fahrstunde vom Flughafen entfernt, ist das Camp in der Marsa Bareika stets das erste und letzte Camp der Reise, das im Ras Mohammed National Park in der Nähe des südlichsten Zipfels des Sinais liegt (vgl. Karte). Die Marsa Bareika schlängelt sich in vielen Windungen entlang der Küste. Diese Buchten sind alle mit Sonnendächern ausgestattet, die tagsüber den nötigen Schatten liefern, in den man sich in den Oberflächenpausen vor der brennenden Sonne flüchten kann.

Durch diese Einbuchtungen ist man im Lager relativ ungestört, wenn es auch vorkommen kann, daß Hotelgäste aus Sharm el Sheikh busladungsweise zum schnorcheln hierher gekarrt werden. Diese zum Teil sehr spaßige Abwechslung dauert in der Regel jedoch nicht lange und man kann wieder die Abgeschiedenheit und Ruhe geniessen.

Glasfischfelsen in der Marsa Baraika

Der Taucheinstieg direkt am Camp ist sehr bequem und führt über Sandgrund mit einzelnen Korallenstöcken ins tiefe Wasser, das bis auf 180 Meter Tiefe abfällt. Sehr leicht ist der Bereich bis hin zur Riffkante auf ca. 20 Meter Tiefe zu betauchen. Große und dicht beieinanderstehende Korallenblöcke prägen die UW-Landschaft. Einzelne besonders große Korallenblöcke beherbergen Schwärme von Glasfischen. Gelegentlich taucht auch mal ein Gitarrenhai oder eine Schildkröte auf. Ansonsten ist dies sowohl für Weitwinkel- als auch für Makroaufnahmen ein schönes Revier.

Dahab

Lager Dahab

Etwas zwiespältig ist mein Verhältnis zu diesem Campground. Das Camp liegt an der Piste, die von Dahab zum Blue Hole führt. Dementsprechend ist auch mit "viel Verkehr" tagsüber zu rechnen, wenn die Tauchgäste ans Blue Hole gefahren werden. Wie bereits oben erwähnt, ist leider auch die Allgegenwart der Beduinenkinder oftmals lästig.

Das Camp wird umrahmt vom Gebirge und besitzt leider kein Sonnendach. Mit Hilfe großer Planen, wird jedoch auch hier für den nötigen Schatten gesorgt.

Dahab bietet jedoch auch die schönsten Tauchgründe der Tour.

Langnasenbüschelbarsch

Der nächst gelegene Taucheinstieg liegt direkt vor dem Camp, der jedoch bei weitem nicht so bequem zugänglich ist, wie an der Marsa Bareika. Lediglich ein schmaler Ein- und Ausstieg am ansonsten fast unzugänglichen Riffdach ist vorhanden. Je nach Wasserstand eine etwas wackelige Angelgenheit, besonders, wenn man noch schwere Foto/Filmausrüstung ins Wasser transportieren muß. Der Tauchplatz selbst ist ein Paradies für Makroaufnahmen. Ob Korallengrundeln auf Peitschenkorallen oder Langnasenbüschelbarsche die sich in etwas größerer Tiefe im Korallengeäst aufhalten, hier gibt es genug Motive zu finden.

Die Highlights sind natürlich der Canyon bzw. das Blue Hole, die mit den Jeeps in recht kurzer Fahrzeit angesteuert werden.

Das Blue Hole

Im Blue Hole

Der Taucheinstieg liegt direkt vor der ersten Strandbar. Über einen Steg werden die Taucher ins tiefe Wasser geleitet. Steil fallen hier die Riffwände über dem fast kreisrunden Loch ab. Ein Torbogen, dessen oberste Kante auf etwa 55 Meter Tiefe liegt, führt aus diesem Loch hinaus ins freie Wasser. Da die Tauchtiefe in Ägypten auf 30 Meter begrenzt ist, ist ein durchtauchen dieses Tors zwischenzeitlich nicht mehr gestattet. Die Barriere kann jedoch auch in einer Tiefe von etwa 10 Metern überquert werden. An der Außenkante bietet die Farben- und Formvielfalt der Weichkorallen eine tolle Kulisse für Weitwinkelaufnahmen.

Der Canyon

Im Canyon

Das eigentliche Highlight, ein schmaler, fast höhlenmäßiger Felsdurchbruch, der sich von ca. 12 bis auf über 50 Meter Tiefe hinzieht, ist aufgrund der Tiefenreglemtierung eigentlich auch nicht mehr betauchbar. An seinem Eingang befindet sich ein riesiger Schwarm von Glasfischen, durch den man seinen Weg suchen muß. Lediglich auf ca. 30 Meter Tiefe befindet sich noch ein etwas größerer Einschnitt, durch den man diesen Felsspalt wieder verlassen kann. Wer diesen Ausstieg nicht findet, muß bis zum tiefen Ende durchtauchen. Nichts für Taucher mit Platzangst.

Pegasusfisch

Doch bereits am Taucheinstieg in nur etwa 1 bis 2 Meter Wassertiefe, bekommt ein Taucher mit guten Augen eine Rarität aus der Fischwelt geboten. Es handelt sich hierbei um die skuril aussehenden Flügelroßfische/Pegasusfische, die hier über den Sandgrund grabbeln.

Abu Galum

Zu Fuß entlang der Küste ist diese Ortschaft in etwa 2,5 Stunden vom Blue Hole (Dahab) aus zu erreichen. Mit dem Auto hingegen ist es eine mehrstündige Fahrt von Dahab aus über die Fernstraße Richtung Nuweiba und dann noch etwa 2 Stunden durch ein Wadi, über dessen Rüttelpiste sich so mancher Automobilhersteller freuen würde.

Das Camp besitzt wie in Dahab auch kein eigenes Sonnendach, so daß die mitgeführten Sonnensegeln für Schatten sorgen müssen. Leider hat der Touristenboom auch dieses einstige "Kiffernest" erreicht, so daß Vor- und Nachmittags ein reger Autoverkehr entlang der Piste herrscht.

Die Tauchgründe sind sowohl für Makro- als auch Weitwinkelfotografie geeignet. Nach überwinden eines Geröllabschnitts erreicht man Sandgrund, der mit großen Korallenblöcken bedeckt ist. Ein Einschnitt führt bis in etwa 40 Meter Tiefe (und tiefer) an dessen Ende man seine Runde um die Korallenblöcke fortsetzen kann. Vereinzelte Flächen mit Seegras beherbergen große Seenadeln.

Ras Mamla

Nicht weit von Abu Galum entfernt liegt Ras Mamla an dem wir ein weiteres Camp aufgeschlagen hatten. Weitab jeglicher Ortschaft ist dies wohl der ungestörteste Platz, der angesteuert wird.

Geisterfetzenfische

Der Taucheinstieg führt über große Steine ins Wasser - Achtung Rutschgefahr. Auch dieser Taucheinstieg ist ein El Dorada für Makrofans. Hier fanden wir die seltenen Geisterfetzenfische, für die sogar Ingo einmal wieder in die Tauchklamotten stieg und seine Kameraausrüstung badete.

Ein paar Fahrminuten entfernt stehen ein paar Funkmasten, bei denen sich ein weiterer Taucheinstieg befindet. Hier sichteten unsere Taucher sogar eine Schule von Hammerhaien, die sich Ihnen aus dem Freiwasser heraus näherten. Leider war mir dieses Glück nicht beschieden - aber ich hätte sicherlich das falsche Objektiv vor der Kamera gehabt.

Als letztes Camp und als Abschluß der Reise fuhren wir wieder an die Marsa Bareika zurück. Aufgrund der zwischenzeitlich zurückgelegten Entfernung, benötigten wir für die Rückreise fast den ganzen Tag.