Sabang - das "Piratennest"

Sabang - Innenstadt

Das war mein erster Eindruck, als ich Sabang auf der Insel Mindoro etwa 130 km südwestlich von Manila zum ersten Mal bei Tageslicht sah. Lediglich eine fahrbahre Straße führt in diese Ortschaft - ansonsten bestehen die Hauptverkehrsadern aus schmalen verwinkelten Gässchen, die einem erscheinen wie frisch aus einer Hollywood-Produktion importiert. Auch die Einheimischen kommen einem vor, wie Statisten in einem Piratenfilm (philippinentypisch kleiner Menschenschlag, meist mit etwa wadenlangen Hosen bekleidet, dunkelhäutig - fehlt eigentlich nur noch das Holzbein und die Augenklappe ;-)).

Sabang Bay mit Pier der ASIA Diver

In Wirklichkeit handelt es sich um eine Touristenhochburg, die rund um die Bucht gebaut ist. Zum Glück fehlen die sonst so üblichen Hotelburgen. Touristen aller Nationen frönen hier dem Tauchsport und obwohl es viele Tauchbasen und noch mehr Tauchboote gibt, trifft man an den mindestens ebenso zahlreichen Tauchspots kaum einmal eine andere Tauchgruppe an.

Soweit in Kürze. Wer noch näheres erfahren möchte sollte jetzt allerdings weiterlesen.

Nach einem 14-stündigen Flug (Frankfurt - Dubai - Manila) stand noch ein 2-stündiger Autotransfer vom Flughafen in Manila noch Batangas - eine Industriestadt mit Ölraffinierien - und dann noch ein 1-stündiger Bootstripp mit einem großen Auslegerboot nach Mindoro an, bevor wir endlich mitten in der Nacht das El Galleon Resort der Asia Divers in Sabang erreichten. Zwar war die Hotelrezeption nicht mehr besetzt, vorsorglich waren aber bereits die Zimmerschlüßel mit einem Belegungsplan hinterlegt. Nachdem die freundlichen Boys unsere schwere Ausrüstung auf die Zimmer gehievt hatten, konnten wir nach einer etwa 30-stündigen Reise endlich unser müdes Haupt zu Ruhe legen.

Am nächsten Morgen, frisch gestärkt nach einem hervorragenden Frühstück gings zum Check-In auf der Basis. Nachdem uns gezeigt wurde, wo wir unsere Tauchausrüstung lagern konnten, wurde uns noch ein Tauchguide zugeteilt, der für den Rest unseres Urlaubs für unsere Tauchgruppe zuständig war. Pete - ein "verrückter Ire" - kannte bereits einen Teil unserer Gruppe vom Vorjahr. Ihm schwante wohl schon, was in den nächsten drei Wochen auf ihn zukam. 7 Taucher, davon 6 UW-Fotografen - was will man da schon mehr dazu sagen. Dementsprechend verlief auch der Check-Dive. Mein Tauchpartner, der Namen sei zu seinem Schutz verschwiegen, (natürlich auch UW-Fotograf und was natürlich viel schwerwiegender zählt - ein hochdekorierter Tauchlehrer) erzählte mir nach dem Tauchgang, was er mir so alles unter Wasser gezeigt hat. Nur komisch, daß ich von alledem nichts mitbekam. Das lag wohl daran, daß ich meinen Tauchgang mangels Tauchpartner alleine bestritt - dafür hat sich ein anderer Taucher aus unserer Gruppe über die vielen Hinweise unter Wasser gefreut. Na was solls - nobody is perfect. So oder ähnlich verliefen auch die restlichen Tauchgänge und man konnte wenigsten ungestört seinem Hobby frönen.

Die Tauchbasis

Tauchbasis ASIA Divers

Die Asia Divers - eine Padi-Tauchbasis - gehört zu den ältesten Tauchbasen auf Mindoro. Die Ausstattung ist gut und auf neuestem Stand der Technik. Neben normalen Preßlufttauchgängen kann auch Nitrox getaucht werden.

Der Service gehört mit zum Besten, was ich außerhalb der Malediven jemals erlebt habe. Morgens montiert man sein Jaket und Automat an die Flasche, die dann von den Boys aufs Boot verbracht wird. Zwischen den Tauchgängen werden die Flaschen an Bord von den Boys gewechselt. Nach dem Tauchgang kann man seine Ausrüstung in verschiedenen Behältern (getrennt nach Anzug, Automaten und Fotoausrüstung !!!) ausspülen, sich selbst unter der Open-Air-Dusche mit Süßwasser abbrausen und anschließend mit einem Basishandtuch trockenrubbeln. Die Bar ist gleich nebenan, so daß auch der Durst keine Chance hat.

Tauchboot "Explorer 1 1/2" mit Kapitän

Zur Basis gehört eine kleine Flotte an Auslegerbooten, die die Taucher in 2 bis 30 Minuten zu den unterschiedlichsten Spots bringen. Normalerweise werden diese Boote mit max. 5 Tauchern belegt - wir waren zu siebt an Bord und hatten immer noch genügend Platz um uns anzurödeln und unsere Kameras zu lagern. Selbst als wir gelegentlich mal mit 9 Tauchern rausfuhren, herrschte noch keine qualvolle Enge. Die Tauchführer sind fitte "Bürschchen", die bereits nach wenigen Tauchgängen die Kameras den Fotografen zuordnen und zielgerichtet ins Wasser nachreichen konnten.

Die Tauchausfahrten finden mehrmals täglich statt. Zusätzlich werden bei Bedarf auch Nachttauchgänge angeboten.

Die Tauchgründe

Rund 20 verschiedene Tauchplätze werden bei den normalen Tauchausfahrten angesteuert. Daneben gíbt es noch weitere Ziele in größerer Entfernung für Ganztagesfahrten.

Sabang Wrecks

Einer meiner Lieblingstauchplätze lag direkt vor der "Haustüre". Die Sabang Wrecks. In unseren Breitengraten würde man zum Abtauchen rauschnorcheln - hier schmeißt der Kapitän seinen Motor für einen Bootstripp von knapp 2 Minuten an. Direkt in der Bucht wurden 3 Schiffe in eine Tiefe von rund 20 Meter versenkt.

Das Segelboot ist schön bewachsen und kann auch durchtaucht werden. An ihm findet man in der Regel ein bis zwei Anglerfische. In der Kabine hat eine Muräne ihr Zuhause gefunden, wo sie sich regelmäßig von Garnelen putzen läßt.

In Sichtweite befindet sich ein alter ziemlich verfallenener Steinfrachter. Gut getarnt lebt hier - wie könnte es auch anders sein - ein Steinfisch. Auch hier findet man in der Regel einen Anglerfisch.

Anglerfisch am Steinfrachter

Wiederrum in Sichtweite entfernt befindet sich ein verfallenes Holzwrack um den große Fledermausfische kreisen. Ein paar Meter entfernt, findet man auf den Sandflächen am Rande des Seegrases Seepferdchen.

Beim Auftauchen noch kurz am Ruderboot auf 7 Meter Tiefe vorbeischauen. Auch hier ist meist ein Anglerfisch anzutreffen.

Ein weiterer Tauchplatz, der mir sehr gut gefallen hat war "The Hill". Die Anfahrt dauerte zwar mit 30 Minuten relativ lange, lohnte aber für so manchen Nachttauchgang. In relativ geringer Tiefe hatten wir das Glück Mandarinenfische in der Paarung zu fotografieren. Ein "wuseliges" Schauspiel sondergleichen, das jedoch immer nur sehr wenige Minuten andauert. Daneben finden sich noch viele weitere Makromotive.

Mandarinenfische

Die Philippinen gehören nicht gerade zu den Tauchzielen mit überragend guten Sichtweiten. Weitwinkelaufnahmen können hier eher selten bewerkstelligt werden - dafür ist es ein Makroparadies. Vor allem Schneckenjäger kommen hier auf ihre Kosten. Die Unterwasserwelt ist reich an Weichkorallen, zwischen denen sich die kleinen Lebewesen verstecken. Großfisch ist eher selten.

Die einzelnen Tauchgründe zu beschreiben würde den Rahmen des Berichts sprengen. Jeder Tauchspot hat so seine eigene Charakteristik und seine Highlights. Die Tauchguides sind über ihr Unterwasserrevier gut im Bilde und der Wunsch ein bestimmtes Tier zu finden läßt sich fast immer bewerkstelligen. Nicht umsonst hat der Hessische Tauchsportverband diese Tauchbasis als fotografenfreundlich ausgezeichnet. Pech hatten wir allerdings bei Pygmäenseepferdchen. Während in den vergangenen Jahren sehr viele davon zu finden waren, haben sie sich wohl in ruhigere Gefilde (ohne UW-Fotografen) zurückgezogen.

Weitere UW-Bilder gibts in meiner Fotogalerie.

Die Insel

Jeepnick

Bei drei Wochen Tauchurlaub kommt auch einmal der Wunsch auf, einen Entsättigungstag mit einer Besichtigungstour einzulegen. Die Auswahl ist allerdings nicht sehr groß. Das Touristenbüro bietet eine Tagestour mit einem der hier üblichen Jeepnicks an, die zu einem See auf der Insel führt.

Allzuviel darf man jedoch nicht von dieser Tour erwarten. "Kultur" wird keine geboten, Land und Leute sieht man nur im Vorbeifahren. Angehalten wird an verschiedenen Aussichtspunkten für ein Postkartenfoto. Zu sehen gibt es Natur neben der Straße.

Süßwassersee In herrlicher Lage kann man nach einem rund 45-minütigen Fußmarsch in einem frischen Süßwassersee baden gehen. Ein gutes Picknick rundet den Tag ab, bevor es wieder mit dem Jeepnick zurückgeht. Wer möchte kann auch einen Teil der Rückfahrt mit einem Kajak auf dem seichten Fluß zurücklegen. Wir trugen dabei allerdings eher zur Belustigung der Einheimischen bei, die sich auch am Fluß aufhielten.

Fazit

Die Tauchgründe sind sehr abwechslungsreich und sind attraktiv genug auch für mehr als 3 Wochen Urlaub. Als Tauchurlaub sehr empfehlenswert.

Strand von Sabang

Als reiner Badeurlaub ist Sabang/Mindoro nicht zu empfehlen. Einen Badestrand im herkömmlichen Sinn gibt es nicht. Am schmalen Sandstrand, der je nach Tidenstand mal mehr oder weniger breit die ganze Bucht umgibt, werden Boote an Land gezogen und mit Seilen gesichert. Der Strand dient auch als Hauptverkehrsweg des Städtchens. Ausflüge werden kaum angeboten - es gibt ja auch kaum etwas besonderes anzuschauen.

Die Nebenkosten sind sehr erschwinglich. Es gibt viele Restaurants der unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen (italienisch, thailändisch, deutsch, koreanisch ...).

Da ein Teil unserer Gruppe bereits schon einmal vor Ort war, hatten wir die Reise selbst organisiert. Für Buchungen ist der Reiseveranstalter "Reisecenter Federsee" zu empfehlen.