
Wer hat noch nicht von ihnen gehört - den fast schon legendären Riffen vor Hamata. Ob Abu Karim Soraya, Shab Maksur, Sataya Kebir und wie sie noch alle heissen. Sie geniesen den Ruf zu den besten Riffen des Roten Meeres zu gehören.
Dem wollten wir auf den Grund gehen, und haben uns für 2 Wochen im derzeit (Sommer 2004) südlichsten Hotelressort Ägyptens einquartiert. Für unsere Wahl ausschlaggebend war auch die Aussage, daß ein schönes Hausriff vorhanden wäre.
Das Hotel
Das Lahami Bay Ressort liegt recht einsam kurz vor der Militärzone im südlichen Ägypten etwa 2 Stunden Transfer vom Flughafen Marsa Alam entfernt. Die weitläufige gepflegte Anlage verfügt über eine große Poollandschaft (Süßwasser), wo man zwischen den Tauchgängen in den kostenlosen Liegen - Badetücher gibts auch noch dazu - relaxen kann. In der Wasserfallbar gibts erfrischende Getränke zu moderaten Preisen.
Die Zimmer sind recht groß und beinhalten alles, was man so zum wohlfühlen benötigt. Bad mit separatem WC, Minibar, TV mit deutschen Sendern und Balkon - zum Teil mit Meeresblick.
Für das leibliche Wohl sorgt eine vorzügliche Küche im HP-Restaurant. Die Speisen werden täglich nach Themenbereichen zubereitet (italienisch, Grillabend, Mediteran etc.). Leider wiederholt sich die Reihenfolge wöchentlich. Neben dem HP-Buffet gibt es noch zwei weitere Restaurants, in denen man außerhalb der HP essen gehen kann. Abendliche Unterhaltung mit entsprechendem "Remmidemmi" ist eher selten, dafür laden gemütliche Bars zum Small Talk ein.
Die Tauchbasis
Die Ocean Pro Tauchbasis unter Schweizer Leitung ist mitten in der Hotelanlage in der Nähe der Rezeption untergebracht. Wie es sich für ein schweizer Unternehmen gehört, ist die Basis perfekt durchorganisiert. Am großen Counter sind den ganzen Tag über Ansprechpartner für die größeren und kleineren Probleme da und man versucht zu helfen, wo es geht. Die Crew besteht meistensteils aus deutschsprachigen Guides, die den Tauchern auf Wunsch auch unter Wasser zur Verfügung stehen.
Gut gemacht ist die Lagerung des persönlichen Tauchequipements. Beim Einchecken auf der Basis bekommt man einen Platz in einem der Naßräume zugewiesen. Hier kann man seinen Tauchanzug zum Trocknen aufhängen und seine übrigen Kleinteile in einer Kiste abstellen - Die übliche Suche nach Anzug oder Füßlingen entfällt damit.
In einem größeren, sowie zwei kleineren Becken kann man sein Gerödel nach dem Tauchgang ausspülen. Eine Süßwasserdusche rundet das Bild ab.
Die Tauchboote liegen in einer Marina, zu der die Taucher mit einem LKW gebracht werden. Damit die rund 30 bis 40 Taucher auch Platz haben, wurden auf der Pritsche des LKWs Bretter als Sitzgelegenheiten montiert. Dicht gedrängt wird man so zur etwa 10 Fahrminuten entfernten Marina geschaukelt. Eine Ablagemöglichkeit für die sperrige Foto/Filmausrüstung gibt es nicht, so daß man aufpassen muß, seinen Sitznachbarn nicht zu verletzen.
Wer nicht mit zu den vorgelagerten Riffen fahren möchte, kann sich noch mit dem kleineren Hausriffboot zu den weiter entfernt liegenden Plätzen des Hausriffs fahren lassen, oder zu Fuß am entfernt liegenden Beachentry seinen Tauchgang geniesen. Mit Hausrifftauchen, wie man das gemeinhin kennt, hat das wenig zu tun.
Daß man weit im Süden fern jeder Druckkammer ist, kann man an den machmals mit übertriebenen Sicherheitsmaßnahmen versehenen Verhaltensmaßregeln erkennen. Daß einem nicht noch der - sichere - Umgang mit der Dusche vorgeschrieben wird ist schon alles. Im Roten Meer wurde die 30-Meter-Grenze als Tiefenlimit eingeführt. Man wird auch immer wieder auf diesen Umstand hingewiesen, wobei ich an kaum einem Tauchplatz auch nur die Möglichkeit gehabt hätte annähernd an diese Grenze zu kommen. Tauche möglichst im Rudel und nie allein - diese Maxime steht bei den Guides an erster Stelle. Als erfahrener Taucher und besonders als UW-Fotograf fühlt man sich auf dieser Basis nicht gerade heimisch.
Die Tauchgründe
Da wir in erster Linie von Land aus tauchen gehen wollten, stand das Hausrifftauchen für uns in der Prioritätenliste ganz weit oben. Die einzige Möglichkeit ohne feste Abfahrzeiten von Booten ins/unter Wasser zu kommen ist der Beachentry. In praller Sonne mit komplettem Gerödel (außer Flasche) schleppt man sich in etwa 10 Minuten zum Strandeinstieg, wo Flaschen bereitstehen. Nach etwa 50 Meter watend im flachen Wasser erreicht man einen sanft abfallenden Sandgrund über den man dann - endlich tauchend - das Hausriff in einer Tiefe von etwa 5 Metern erreicht. Arg viel tiefer wirds auch bei einem langen Tauchgang nicht. Mit den 12-Liter-Aluflaschen haben wir oftmals erst nach 1,5 bis 2 Stunden wieder das Wasser verlassen. Aufgrund der geringen Tiefe und des Seegangs wirkt sich der Sandgrund negativ auf die Sichtweiten aus. Weitwinkelaufnahmen sind nicht möglich und bei Makroaufnahmen muß man auf die Schwebeteile aufpassen. Flora und Fauna sind für diese Tauchverhältnisse gerade noch akzeptabel.
Um einmal auch die 10-Meter-Marke zu überschreiten, sind wir mit dem kleineren Hausriffboot zu den vorgelagerten Stellen des Hausriffs gefahren. Je nach Interesse und Mindestanzahl von Tauchern werden diese Stellen etwa 2 bis 4-mal täglich angefahren. Wenn morgens ein tiefer Tauchplatz angefahren wurde (16 - 20 Meter Tiefe) steht zu den späteren Tauchausfahrten nur ein flacherer Tauchplatz (bis max. 13 Meter) an. Glücklich kann der sein, der bei Mindestanzahl mit raus fahren kann, ansonsten geht es eng her. Sichere Ablagemöglichkeiten für Film-/Fotoausrüstungen sucht man vergeblich. Immerhin dauern die Fahrten in der Regel nur wenige Minuten. Die Sicht unter Wasser ist auch an diesen exponierten Stellen des Hausriffs nicht gerade berauschend. Mit etwas Glück und ganz ruhiger See sind Weitwinkelaufnahmen möglich - allein es fehlen die Motive dazu. Die Riffe sind relativ kahl. Größeres Getier sucht man vergebens. Mit etwas Glück findet man eine Schwarm Gelbstriemen - Füssiliere.
Nachdem die Riffe so toll sein sollen, müssen sie wohl weiter draußen liegen. So haben wir uns auch zu den Tagesfahrten angemeldet. Mit den im Roten Meer üblichen Taucherkähnen fährt man in 1 bis 2 Stunden zu den vorgelagerten Riffen, die auch von den Booten der nördlicheren Ressorts und den Kreuzfahrtschiffen angelaufen werden. Das Briefing durch die Guides ist wirklich gut - besser als das, was man unter Wasser geboten bekommt. Der größte Fisch, den ich zu sehen bekam, war ein etwa 75 cm großer Napoleon. Delphine waren am Dolphin-Reef nur aus der Ferne über Wasser zu beobachten. Daß wir keine Haie zu sehen bekamen, lag sicherlich daran, daß sie vom Aussterben bedroht sind. Kleinere Lebewesen versteckten sich, daß man sie kaum einmal vor die Linse bekam. Bis auf wenige Ausnahmen ließ auch die Flora sehr zu wünschen übrig.
Wie mir ein Reisefachmann vor kurzem versicherte, gab es im Sommer 2004 überall an den Tauchdestinationen am Roten Meer Probleme mit der UW-Welt. Flora und Fauna können zu einem anderen Zeitpunkt wieder ganz anders aussehen.
Fazit
Das Lahami Bay Ressort ist bestens geeignet für tauchende Familien. Die Kinder können sich in der Poolandschaft austoben, Kleinkinder kann man im hoteleigenen Kindergarten abgeben. Man gönnt sich Ruhe und zwischendurch einmal einen Tauchgang oder Tauchtag. Für den ambitionierten Taucher oder UW-Fotografen bzw. -Filmer gibt es bessere Tauchdestinationen.
Unterwasserbilder, die in den Riffen der Umgebung entstanden sind findet Ihr in meiner Fotogalerie.