
Nachdem wir vor einigen Jahren bereits den Osten Kanadas bereist hatten, war im Herbst 2007 der Westen dran. 6 Wochen mit dem Wohnmobil durch Kanada – man sollte meinen, das wäre eine lange Zeit. Doch auch diese Zeit war viel zu kurz um die vielfältigen Eindrücke der unterschiedlichen Landschaften ausgiebig zu geniesen. Meinen Bericht habe ich daher in 2 Teile aufgeteilt, der Küstenregion mit der Insel Vancouver Island und dem Festland bis zu den Cariboo Mountains und Mount Robson im Norden, sowie Osoyoos mit seiner Wüste im Süden Nahe der Grenze zu den USA.
Diese Einleitung möchte ich nutzen um ein paar Details und Hinweise zu unserer Kanadareise zu geben.
Flug
Der Flug ging von Düsseldorf mit der LTU nach Vancouver. Bei einer Flughöhe von 11.500 Meter und einer Strecke von etwa 7.900 km betrug die Flugzeit rd. 9 Stunden 30 Minuten. Dies entspricht auch etwa der Zeitverschiebung von – 9 Stunden. Der Flugpreis betrug rd. 800 Euro/Person.
Wohnmobil
Das Wohnmobil hatten wir bereits zu Hause über den ADAC bei der Firma Fraserway gebucht. Fraserway gehört zu den großen Wohnmobilanbietern in Kanada mit vielen Filialen. Die Fahrzeuge sind vollständig ausgestattet, so daß im Gegensatz zu anderen Wohnmobilanbietern, nicht noch diverse Kleinteile, an die man zu Beginn der Reise sicherlich nicht denkt, separat vor Ort buchen muß.
Für die Reise hatten wir (2 Personen) uns für ein größeres Wohnmobil entschieden, um nicht nur Stauraum sondern auch etwas Bewegungsspielraum im Fahrzeug zu haben. So war das Wohnmobil rd 7,70 Meter lang, 2,95 Meter breit und 3,50 Meter hoch. Genauere Daten über die Leistung des Motors waren nicht zu erfahren, jedoch hatte das Fahrzeug ca. 300 PS und schluckte rd. 30 Liter Normalbenzin auf 100 km. Der Spritpreis lag bei zwischen 90 kanadischen Cent und 1,15 kanadischen Dollar, was etwa 68 bis 86 Eurocent entsprach.
Das Wohnmobil hatte neben zwei großen Betten im Alkoven und im Heck des Fahrzeug noch eine gemütliche Sitzgruppe, Dusche und WC sowie eine vollständig ausgestattete Küche mit Herd/Backofen, Mikrowelle, Kühl- und Gefrierschrank an Bord. Eine Klimaanlage und Heizung hielten die Raumtemperatur erträglich und große Frisch- und Abwassertanks ermöglichten es auch mehrere Tage autark zu sein.
Die Stromversorgung für die Innenraumbeleuchtung erfolgt über zwei separate Fahrzeugbatterien, die während der Fahrt geladen wurden. Zum Laden von Akkus reichte diese Stromversorgung nicht aus. Dazu hatte ich mir einen entsprechenden Wandler im Elektrofachgeschäft besorgt (ab ca. 25 Euro), der mit den Strom aus dem Zigarettenanzünder während der Fahrt in Wechselstrom mit 230 Volt wandelte.
Für unsere getätigte Reise war dieses Wohnmobil die richtige Wahl, da wir überwiegend auf befestigten und guten Highways unterwegs waren. Bei Reisen in den hohen Norden Kandas wie den Yukon oder die Northwest Territories würde ich allerdings eher zu einem 4 Rad-Pickup mit aufgesetztem Wohnteil greifen. Auch sind die normalen Mietfahrzeuge nicht sehr gut isoliert, so daß eine Reise in der kalten Jahreszeit nicht unbedingt empfehlenswert ist.
Der Mietpreis betrug rd. 4.600 Euro/Fahrzeug. Zusätzlich kam noch eine Kaskoversicherung mir rd. 700 Euro sowie eine Glasbruchversicherung (sehr empfehlenswert) von 5 Euro am Tag. Für die nächste Saison haben sich die Preise zwar erhöht, jedoch sind die Versicherungen jetzt im Mietpreis mit enthalten.
Die Firma Fraserway hat einige deutschsprachige Mitarbeiter, so daß es bei der sehr ausführlichen und guten Einweisung bei der Übergabe der Fahrzeuge zu keinen Mißverständnissen kommen konnte. Auch bei technischen Problemen war somit gewährleistet, daß es nicht auch noch zu Sprachproblemen kommen konnte.
Verkehr
Im kanadischen Verkehr gelten die metrischen Maßeinheiten. Die Entfernungsangaben sind in Meter und Kilometer, die Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten in Stundenkilometer.
Innerorts gelten in aller Regel 50 km/h, im Stadtrandgebiet 60 km/h im weiträumigen Gebiet in der Nähe der Stadt 70 km/h, Außerorts zwischen 80 und 110 km/h je nach Ausbaustufe der Straße.
Als Highway gilt jede Verbindungsstraße zwischen zwei Orten. Von der Straßenqualität her ist dabei von geteertem Feldweg bis hin zur ausgebauten Bundesstraße (bezogen auf deutsche Verhältnisse) alles möglich. Autobahnen in unserem Sinn gibt es sehr wenige, diese sind dann aber oftmals mautpflichtig.
Die kanadische Fahrweise ist außerhalb von Ballungsgebieten sehr defensiv, im Dunstkreis von Großstädten unterscheidet sich die Fahrweise nicht sehr von der rücksichtslosen Art deutscher Straßen.
Gewöhnungsbedürftig sind die Baustellen, auf die bereits einige Kilometer vor der eigentlichen Baustelle hingewiesen wird. Baustellenampeln wie in Europa üblich gibt es hier nicht. Jeweils ein Arbeiter vor und hinter der Baustelle, ggf. auch noch einer bei einer Einfahrt dazwischen regeln mit einem Stoppschild den Verkehr. Hier ist oftmals viel Geduld gefragt. Manchmal erscheint es einem auch nicht unbedingt schlüssig, wie der Verkehr geregelt wird.
Campgrounds
Die Campgrounds (Preisangaben immer für ein Fahrzeug mit 2 Erwachsenen pro Nacht) lassen sich grob in 2 Kategorien einteilen:
Provincial Park/Nationalpark
Diese Campgrounds sind von der Ausstattung, Lage und Preis sehr ähnlich:
- einzelne Stellplätze zwischen Bäumen
- viel Abstand zum Nachbarn
- Feuerstelle und Sitzgelegenheit mit Tisch
- Preise zwischen 14 und 22 kanadischen Dollar (etwa 10,50 bis 16,50 Euro)
Größere Campgrounds haben auch noch eine Sanidump Station, wo man für 2 Dollar sein Abwasser loswerden und die Frischwassertanks nachfüllen kann. Einige wenige dieser Campgrounds bieten auch Stromanschlüsse an.
Den Übernachtungspreis entrichtet man bei einem Parkranger, der irgendwann auf seiner Runde durch den Park am Stellplatz vorbei kommt. Bei ihm kann man auch Feuerholz erwerben (zwischen 5 und 6 Euro). In Alberta muß man eine Firepermit erwerben (7,50 Dollar), erhält dafür aber kostenlos Feuerholz in beliebiger Menge.
Außerhalb der Saison, spätestens ab Mitte Oktober, werden die Campgrounds nicht mehr regelmäßig von den Rangern kontrolliert. Die Anmeldung erfolgt dann problemlos über eine Eigenregistrierung und der Übernachtungspreis wird in einem Umschlag am dafür vorgesehen Platz am Parkeingang deponiert. Ein paar wenige Campgrounds gestatten dann sogar das kostenlose campen.
Für Zeltcamper gibt es ausreichend sanitäre Einrichtungen, die sich überwiegend in einem sehr sauberen Zustand befinden.
gewerbliche Anbieter
Es werden drei verschiedene Kategorien von Stellplätzen angeboten:
- unserviced (reiner Stellplatz)
- serviced (mit Wasser und Strom)
- full hookup (Wasser, Strom und Abwasser)
Die Preise sind je Region und Jahreszeit sehr unterschiedlich, so haben wir für einen full hookup zwischen 26 und 46 Dollar (19,50 und 34,50 Euro) bezahlt.
Die Stellplätze sind wie auch in Europa üblich sehr dicht beieinander. Eine gemütliche Atmosphäre wie in den Parks kann hier natürlich nicht aufkommen.
Vorteilhaft ist jedoch, daß einige dieser Campgrounds auch noch weitere Einrichtungen anbieten, wie z.B. Schwimmbäder oder auch Waschmaschinen mit Trocknern.
Auch wenn diese Campgrounds überwiegend auf Wohnmobilreisende eingestellt sind, so gibt es auch hier sehr saubere Sanitärräume.
sonstiges
Die meisten Campgrounds haben vom Frühjahr bis in den frühen Herbst hinein geöffnet. Anfang Oktober schließen bereits die ersten Campgrounds, nach Thanksgiving werden die reinen Sommercampingplätze geschlossen und ab Mitte Oktober geht die Sucherei nach geöffneten Campgrounds los.
Beim ADAC sowie bei den regionalen Touristeninformationen sind Broschüren erhältlich, die ausführliche Informationen zu den Campgrounds in den Provincial Parks oder den gewerblichen Anbietern enthalten. Die Visitorcenter sollte man sowieso regelmäßig ansteuern um Informationen über die Region vor Ort einzuholen.
Das freie Campen sollte man sich verkneifen. Es wird nicht nur nicht gerne gesehen, sondern kann auch durch die Abgeschiedenheit in der Wildnis nicht ganz ungefährlich sein. Die Kriminalitätsrate ist außerhalb der Ballungsgebiete zwar recht gering, aber es lauern auch noch andere Gefahren wie z.B. Wildtiere aber auch ein ganz banaler Unfall kann dann bereits verheerende Folge nach sich ziehen.
Bären und sonstige Raubtiere
BC ist Bärenland. Darauf wird man überall und jederzeit hingewiesen.
Wann bist Du zuletzt im Wald einem Rudel Wildschweine begegnet ? Obwohl bei uns die Wildschweine so zahlreich sind, wie in Kanada die Bären, ist es wohl bereits Jahre her, daß ich in Deutschland ein Wildschwein auf freier Wildbahn gesehen habe. Ähnlich verhält es sich mit den Bären. Da man sich auf einer solchen Reise natürlich überwiegend in freier Natur aufhält, habe ich gerade einmal 4 Bärenbegegnungen gehabt:
- 2 gewollte Beobachtungen. Auf Anraten eines Mitarbeiters eines Visitorcenters habe ich mich zu bestimmter Uhrzeit an einem bestimmten Platz eingefunden um für ein paar Minuten einige Bären aus sicherer Entfernung beobachten zu können
- Sekundenbegnung auf der Straße. Als wir rumpelnd auf einer unbefestigten Straße um die Ecke bogen, sahen wir gerade noch einen Bären im Gebüsch verschwinden.
- Begegnung auf dem Hicking Trail. Während einer Wanderung kam ein Bär den Berg heruntergetrottet und ist uns auf dem Wanderweg entgegen gekommen. Der Abstand war ausreichend, so daß wir aus sicherer Entfernung in fast panikfreiem Rückzug den Bär beoachten konnten.
Die Parkverwaltungen und Visitorcenter weisen auf den Umgang mit Meister Petz hin und verteilen Ratschläge und Informationsmaterial.
Die wichtigsten Regeln dabei sind:
- schleiche nicht durch Waldgebiete, sondern unterhalte dich laut
- füttere keine Bären oder hinterlasse auch keine Abfälle, die für Bären Nahrung sein könnten
- halte genügend Sicherheitsabstand wenn Du einen Bären siehst
Verschiedentlich wird man auch vor Ort im Wald durch entsprechende Hinweise auf das Vorhandensein anderer Raubtiere wie z.B. Puma hingewiesen, die jedoch so scheu sind, daß sie bereits bei Annäherung eines Menschen fliehen.
Tiere der freien Wildbahn
Sehr häufig lassen sich vor allem in den frühen Morgenstunden oder am Spätnachmittag Cariboos und Wapitis beobachten, die zu diesen Zeiten den schützenden Wald verlassen und auf den Wiesen äsen.
Dies ist eine Zeit, zu der man im Verkehr sehr wachsam sollte, denn diesen Tieren ist es egal, wo sie gerade unterwegs sind – ob auf der Wiese oder dem Highway. So ist z.B. direkt am Ortseingang von Jasper gleich nach einer Kurve des 4-spurigen Highways ein Wildwechsel. Die Tiere scheuen erst dann, wenn ein Fahrzeug direkt vor ihnen steht - ein vorbeifahrendes Fahrzeug wird höchstens noch gelangweilt vom Straßenrand aus beobachtet.
Auch immer wieder nett anzusehen und zu ärgern sind Eich- oder Streifenhörnchen, die man auf Wanderwegen immer wieder zu Gesicht bekommt. Wenn man sich vor- und umsichtig verhält kann man diese kleinen Nager aus nächster Nähe beobachten.
In den Bergen (und man fährt am Tag mindestens einen Paß) kann man häufig Bergziegen oder in sehr hohen Lagen auch Schneeziegen beobachten.
Eine Whalewatchingtour, die wir zu Beginn unserer Reise Mitte September auf Vancouver Island geplant hatten, haben wir ausfallen lassen. Durch die Klimaveränderung hatten diese großen Meeressäuger bereits in größerer Zahl Ende August/Anfang September die küstennahen Gewässer verlassen, so daß die Erfolgsaussichten Wale beobachten zu können recht gering, die Kosten mit 110 Dollar pro Person jedoch recht hoch waren.
Preise
Die reinen Lebenshaltungskosten sind in etwa so hoch, wie in Deutschland auch. Sehr günstig ist jedoch Wildlachs (küchenfertiger Fisch für 4 Personen rd. 10 Dollar) und auch Fleisch.
Die Reisenebenkosten können aber mitunter sehr hoch sein (Museum 26,50 Dollar, Whalewatching 110 Dollar, Bärenbeobachtungstour (3 Stunden) 180 Dollar, Flug über die Rocky Mountains (1 Stunde) 400 Dollar).
Insbesondere im Großraum Vancouver bis hin nach Whistler macht sich der vorolympische Kommerz (Winterolympiade 2010) bereits deutlich bemerkbar.



